Der Camcorder-Ratgeber


Sein eigener Regisseur sein, das Schöne und Wichtige im Leben in bewegten Bildern festhalten: Die Videokamera für den Hausgebrauch bietet die Möglichkeit dazu.

Auch wenn es Camcorder (ein Kunstwort, das aus camera und Recorder gebildet wurde) schon seit fast dreißig Jahren gibt, ist die Technik hier mit Riesenschritten vorangeprescht. Liefen die frühen Camcorder ausschließlich mit dem altbekannten braunen Videoband, so ist heute digitale Technik das Maß aller Dinge - genauso wie der Videorekorder vom DVD- und Blu-ray-Player ersetzt wurde. Digital: Das heißt auch, dass Sie Ihre Filme über den PC hochladen können. Und das wiederum bedeutet: Vielfältige Möglichkeiten der nachträglichen Filmbearbeitung am heimischen Rechner.


Wie funktioniert ein Camcorder?

So klein und handlich Camcorder mittlerweile sind, versteckt sich in ihnen geballte Technik. Wie bei herkömmlichen Geräten befindet sich am vorderen Ende der Kamera ein Objektiv mit Glas- oder Kunststofflinse, mit der das gewünschte Objekt ins Visier genommen und gegebenenfalls herangezoomt werden kann. Die Linse leitet das Licht auf den Bildsensor. Dabei handelt es sich um einen Halbleiterchip, der in eine Vielzahl von lichtempfindlichen Punkten unterteilt ist - den sogenannten Pixeln.


Der Chip funktioniert in etwa so wie eine Solarzelle. Punkt für Punkt wird das Licht in ein elektrisches Signal umgewandelt, das Informationen über Farbwert und Helligkeit enthält. Bei der Filmaufnahme wird dieses elektrische Signal auf einen festen Speicher - etwa auf eine DVD - kopiert: Der Film ist "im Kasten". Bei den derzeit gebräuchlichsten Bildsensoren handelt es sich um CCD- und CMOS-Chips. Auf Grund einiger technischer Besonderheiten sind CMOS-Chips kompakter, energiesparenden und empfindlicher für Farb- und Helligkeitsunterschiede, andererseits kann es hier schneller zum Bildrauschen kommen.


AVCHD- und HDV-Camcorder

Massiv und unübersehbar geht der Trend im TV-Bereich in Richtung hochauflösende Bilder (HD). Wer mit dem Camcorder für sein HD-fähiges TV-Gerät entsprechend hochwertige Filme erstellen möchte, kann prinzipiell zwischen zwei Techniken wählen. Ausschlaggebend dabei ist, wie die Kamera die Bilder speichert.


Erfolgt die Speicherung über miniDV-Kassetten, Festplatte oder Speicherkarte, stehen zu diesem Zweck HDV-Camcorder zur Verfügung. Auf DVD speichern dagegen AVCHD-Geräte. Zu bedenken ist bei dieser Technik jedoch: Die DVDs können nicht auf einem normalen DVD-Player abgespielt werden, sondern setzen einen Blu-ray-Player voraus. Außerdem gibt es für AVCHD derzeit kaum Software für die nachträgliche Bildbearbeitung auf dem Markt. Experten raten deshalb, mit dem Kauf abzuwarten.


DVD-Camcorder

DVD-Camcorder verfügen über einen eingebauten DVD-Brenner, so dass die Bilder direkt auf einer Mini-DVD gespeichert werden. Ein Pluspunkt dabei ist, dass sich die DVD direkt auf den meisten normalen DVD-Geräten abspielen lässt.


Es gibt jedoch auch Nachteile: Zum einen sind die DVD-Rohlinge nicht gerade billig, außerdem gestaltet sich die Bildbearbeitung am PC recht kompliziert. Besonders zu beachten: Beim Speichern auf DVD werden die Bilddaten komprimiert, so dass es zu einem Verlust an Daten und Bildqualität kommt. Die Bildqualität lässt sich einstellen: Bei maximaler Bildgüte stehen ungefähr 20 Minuten Filmzeit zur Verfügung. Das Maximum liegt bei ungefähr 80 Minuten, dann allerdings mit entsprechenden Qualitätseinbußen.


Speicherkarten- und Festplatten-Camcorder

Eine Alternative stellen Camcorder dar, die die Bilder auf Speicherkarten oder Minifestplatten abspeichern. Festplatten bieten Platz für bis zu 60 Gigabyte an Bilddaten, wobei ein Gigabyte ungefähr 13 Minuten Film in Bestqualität entspricht.


Im Vergleich dazu bringen es Speicherkarten lediglich auf acht Gigabyte. Dafür haben sie aber auch einen Vorteil auf ihrer Seite: Im Gegensatz zur Festplatte gibt es hier bei der Aufnahme keine schnell rotierenden Komponenten - und das bedeutet einen besonders guten Schutz gegen Erschütterungen.


Für beide Gerätetypen gilt, dass zum Ansehen, Umkopieren oder Bearbeiten entweder ein entsprechend leistungsfähiger PC oder ein DVD-Brenner notwendig sind. Die Übertragung auf den PC beansprucht allerdings nur wenig Zeit.


MiniDV-Camcorder

Besonders preiswert sind MiniDV-Camcorder. Bei diesem Typ hat sich das Magnetband als Speichermedium behauptet - allerdings im DV-Format, wobei DV für Digital Video steht. Im Gegensatz zum analogen Signal - auf einer VHS-Kassette beispielsweise - wird das Bild vom Bildsensor digital aufs Band übertragen. Da die Daten dabei sehr dicht "gepackt" werden, sind diese Kassetten entsprechend klein. Außerdem ist die Übertragungsrate wesentlich höher als bei einer DVD-Kamera. Das macht eine hohe Bildqualität möglich. Deshalb werden DV-Kameras sogar für Fernsehproduktionen eingesetzt.


Ein Nachteil besteht darin, dass das Überspielen auf den PC langwierig ist: Für eine komplette Kassette muss man sich schon eine Stunde Zeit nehmen.


Weitere Ausstattungsmerkmale

Vor dem Kauf einer Kamera sollte man sich zunächst einmal die Frage stellen, welche Ansprüche überhaupt erfüllt werden sollen. Wie ist es zum Beispiel mit den Anschlüssen an externe Geräte wie PC und TV-Gerät? S-Video-Ausgänge liefern bessere Fernsehbilder als der FBAS-Video-Ausgang. Zu den Qualitäts- und Leistungsmerkmalen zählt auch der Zoomumfang. Achten Sie dabei vor allem auf den optischen Zoom. Das Auflösungsvermögen des Bildsensors gibt die Pixelzahl an. Von Vorteil auch, wenn die Kamera über einen Bildstabilisator verfügt, der Verwackeln automatisch ausgleicht.


Das Display (der Kontrollmonitor), sollte nicht zu klein sein und deutliche, helle Bilder liefern. Wer die Kamera auch für qualitativ gute Einzelbilder nutzen möchte, sollte darauf achten, ob das Gerät über eine Fotofunktion verfügt. Und wer sich nicht nur auf die automatischen Einstellungen verlassen möchte, sondern lieber "per Hand" nachregelt - z. B. Blende, Verschlusszeit oder Fokus, für den sind die Möglichkeiten zur manuellen Einstellung interessant. Hier lautet das Fazit: Je teurer das Gerät, desto mehr Möglichkeiten.


Hersteller und Testberichte

Auf den Markt für Camcorder drängen sich natürlich gleich mehrere Hersteller. Vor allem die bekannten Namen der Elektronikbranche sind es, die einem hier begegnen. Sony, Canon, Samsung oder auch Panasonic. Sie alle haben ihre Stärken, Schwächen und Besonderheiten. Bei Geräten von Sony beispielsweise lassen sich nur Zusatzmikrophone anbringen, die von Sony hergestellt werden.


Camcorder - das ist ein Feld, auf dem Kamera-, TV- und PC-Technik ein ganz schönes Knäuel bilden können. Einerseits faszinierend, andererseits wächst sich das für den Laien oft zu einem wahrhaftigen Dschungel aus. Da sind gute Testberichte und hilfreiche Informationen gefragt: Bewährt haben sich vor allem die Profis in der Kundenberatung wie - Chip, Computerbild und natürlich auch die Stiftung Warentest, welche in regelmäßigen Abständen Camcorder Testberichte veröffentlichen.